Das innere Navi (3/3)

Sicherheit, Stabilität und Vertrauen können wir aufbauen und stärken, indem wir uns so oft wie möglich im Realen, im Anfassbaren, im Wirklichen befinden, im direkten Erleben, bewusst da, wo wir mit allen Sinnen involviert sind.  Hier können wir uns aus dem überwältigenden Zuvielen herausnehmen und in unsere überschaubare eigene, reale Welt zurückkehren. Von hier aus ist es möglich, uns eine gute Basis zu erarbeiten, die unserem ganzen System Entspannung ermöglicht. Von diesem Punkt aus kann unser Nervensystem wieder lernen, sich sicher zu fühlen und adäquat auf Ereignisse reagieren zu können.

Als Konsequenz heisst dies, raus aus diesen kollektiven, diffusen Angstfeldern, die wir nicht kontrollieren können, die uns jedoch übernommen haben. Das bedeutet, ganz im Körper anzukommen, in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. An diesem Punkt können wir schauen, vielleicht auch mit professioneller Unterstützung, welches unsere wirklichen Ängste sind. Sind sie real, sind sie konkret, kommen sie aus einer Ansammlung von nicht verarbeiteten Erlebnissen und Traumata? In meiner Arbeit sehe ich das Ausmass, Jahre in einer Endlosschlaufe von Angst und Schrecken gehalten zu sein und von einem Leben mit Reiz- und Informationsüberflutung, Dauerstress und Bedrohung.

Die letzten Jahre und die Instabilität dieser Zeit machen mit uns allen sehr, sehr viel, bewusst und auch unterbewusst.

Wir alle brauchen es, uns an einem sicheren Ort zu fühlen und wieder ganz lange ausatmen zu können. Uns zu erholen und neu auszurichten. Wir brauchen die Zuversicht, dass eine gute Zukunft gelingen wird, auch wenn wir noch nicht wissen, wie. Eine gute Zukunft erschafft sich aus einer sicheren, vertrauensvollen Gegenwart in Verbindung und Ausrichtung. Unsere Gegenwart zu stärken, ist das, was wir beeinflussen können.

Wenn wir unsere Wurzelkraft wieder spüren, uns aus der Überbelastung Schritt für Schritt hervorholen und unseren Ängsten und Gefühlen einen sicheren Raum geben, dann können wir klarer mit unserer Intuition in Kontakt sein. Wir können von neuem unserer inneren Stimme zuhören lernen und uns unseren Ur-Instinkten wieder annähern. All diese grossen Werkzeuge und Gaben, die wir als inneres Navi bei uns haben, sie alle sind da. Sie sind nur überlastet, in Fremdbetreuung gegeben, überschichtet.

Unser GPS braucht nicht erfunden zu werden. Es will wiedergefunden, erinnert und freigebuddelt werden. Es ist in uns, als Intuition, als Wissen im Herzen, als unser Bauchgefühlt, als unsere Hellsinne und unsere Instinkte.

Unserer Wahrnehmung vertrauen

Mit allen Sinnen in der Natur präsent sein, bringt uns mehr und mehr mit uns selbst und mit unseren inneren Impulsen in Verbindung. Dem Atem zu folgen, bewusst uns von innen heraus zu spüren, den Vögeln zu lauschen, die Erde als lebendiges Wesen unter den nackten Füssen zu fühlen, den Duft einer Blume zu riechen, eine Hand auf das Herz legen und in unser Herz zu atmen, dies sind einfachste Möglichkeiten, um in kürzester Zeit bei uns anzukommen.

Wenn wir anhalten, leiser werden und uns dafür öffnen, werden wir fähig zu sein, unsere innere Stimme zu hören.

Innere Impulse können sein: „Fahr langsamer!“ und wir sehen zwei drei Sekunden später einen Menschen oder ein Tier über die Strasse gehen, an einem Ort, wo man es nicht erwartet hätte. „Iss das lieber nicht, es bekommt dir nicht!“, kennen wir alle und sagen dann: „Ich hätte es gewusst“, wenn wir dieses fettige Teil trotzdem gegessen haben und es quer im Magen liegt. Ja, unsere Intuition hat es uns im Voraus geflüstert.

Oder eine innere Stimme, die uns bittet, „nein“ zu sagen, wenn es gilt, einen weiteren Extrajob zu übernehmen. Wir wissen, dass wir schon ziemlich eingedeckt sind mit Arbeit und sagen dennoch: „Ja klar, mach ich“. Und genau dieser weitere Auftrag, wir hätten es gewusst, bringt uns aus unserer Mitte. Oder wir fühlen uns bei einem Vorstellungsgespräch nicht wohl, unser Körper zeigt es auf seine bestmögliche Weise. Wie gut, wenn wir dann unserer Wahrnehmung vertrauen und wissen, dass es einen anderen Ort gibt, der besser zu uns passt.

 

Die Wahrheit ist leise

Das Herz spricht klar, in Worten, Bildern, Metaphern, die wir wie eine Sprache lernen können, wahrzunehmen und zu übersetzen. Wir alle verfügen über diese Fähigkeiten.

Unser Körper-Seele-Geist System ist ein Wunderwerk. Genial. Göttlich. Wenn wir uns in dieses Wunderwerk einklinken und eine lebendige Verbindung halten und wir uns darin üben, diese feine Stimme, diese subtilen Eingaben zu hören, wahrzunehmen und sie auch übersetzen zu können, ihnen Vertrauen zu schenken und ihnen auch zu folgen, dann merken wir mehr und mehr, dass Vertrauen, ja sogar ein angeborenes Ur-Vertrauen zurückkehrt.

Wir sind tief bei uns angekommen, wenn wir dem wieder mehr vertrauen, was wir in uns wahrnehmen, als all jenem, was uns im aussen weisgemacht werden möchte oder lautstark übertönt, was in uns ist.

Mit diesem achtsamen mit sich unterwegs Sein und nach Innen Lauschen, kommen wir unweigerlich mit unserer Selbstliebe und Selbstfürsorge in Kontakt. Wir spüren immer besser und auch zeitnah, wenn wir uns innerlich verlassen, wenn wir uns überfordern, wenn wir „Ja“ sagen und innerlich „Nein“ meinen und aus konditionierten Mustern heraus agieren.

Wir lernen unsere Bedürfnisse, unseren Rhythmus und unsere Energie kennen und diese zu achten. Ich nenne es Integrität nach innen.

Dies sind Schritte aus der Ohnmacht zurück in unsere Eigenmacht und Schöpferkraft.

Mehr kreieren als konsumieren

Mein Jahresmotto.

Mit den Händen gestalten. Etwas in Form bringen, etwas kreieren oder einfach achtsam und bewusst tun. Wir können Achtsamkeit und eine verspielte Kreativität in unseren Alltag miteinweben, uns bewusst nähren mit dem, was uns Freude macht. Die Art, wie wir es tun und welchen Wert und welche Bedeutung wir diesem Tun geben, darauf kommt es an.

Was macht dich glücklich, wo geht dein Herz auf, was nährt dich, entspannt dich, gibt dir eine Befriedigung? Was bringt dich in Ruhe, in Sicherheit, in Frieden? Es muss nur für dich Sinn machen. Wenn es von tief innen kommt, nährt es.

Mir geht das Herz auf, wenn ich mit Heilpflanzen Naturprodukte herstellen kann, Salben in schönen Dosen, Tinkturen in Fläschchen abfüllen, eine Etikette draufkleben. Abgefüllte Naturheilkraft. Oft arbeite ich energetisch. Mit Energien, Frequenzen, Schwingungen. Nicht sichtbar für die meisten, und auch nicht für alle fühlbar. So ist es wunderschön für mich, auch Heilkraft in Fläschchen abzufüllen, in Materie zu bringen, in welcher das Wesen der Pflanzen, ausgezogen in Oel oder in Alkohol, zur vollen Wirkung kommen kann.

Sich in eine Sache vertiefen können, darin aufgehen, die Zeit vergessen, sich nicht unterbrechen lassen und den Fokus halten, nur so ist es möglich, in eine gewisse Tiefe und in einen Flow zu kommen.

All dies ist gefährdet durch ein digitales Dauerkonsumieren, mit einer enormen Reiz- und Informationsflut, die uns abfüllt, jedoch nicht satt macht. Unsere Gehirne sind nicht dafür gemacht, dies alles verarbeiten zu können, unsere Psyche und unser Nervensystem auch nicht. Erschöpfung, Leere und Ohnmacht  auf allen Ebenen sind die Folge.

Es ist wunderbar, wenn wir unsere analogen Zeiten haben, die uns Ruhe, Freude, Sicherheit schenken. Es ist beglückend, etwas zu haben, dem wir mit Interesse und Passion nachgehen, aus eigener Motivation, das uns wie ein Gefäss mit Freude füllt, mit BEFRIEDIGUNG. Was für ein Wort!  Etwas in uns kommt in Frieden, wenn wir etwas gestalten, in einen Ausdruck bringen. Dabei erhöht sich unsere Energie und unsere Lebensqualität um ein Vielfaches.

Lebensqualität erhöhen und neu entdecken

Und jedes Mal, wenn wir unsere viereckigen Geräte weglegen, sie gar nicht aus der Schublade nehmen, und eine Idee umsetzen, an etwas arbeiten, das Gestalt annimmt und uns Freude macht, beeinflussen wir unser ganzes System auf positive Weise. Immer dann, wenn wir uns bewegen, in die Natur gehen, tanzen, Sport machen, etwas Feines kochen, mit Kindern in den Wald gehen, Spiele spielen, präsent, ansprechbar und zugewandt sind, erfahren wir uns lebendig.

Wenn wir uns über unsere Lethargie und Trägheit, Benommenheit und Resignation erheben können, werden wir belohnt. Mit mehr Energie, mit mehr Lebendigkeit und dem Gefühl, unser Leben gestalten zu können. Das ist so kostbar.

Das Gehirn baut komplett andere Vernetzungen, wenn wir Eigenes und Aktives mit Freude und Befriedigung pflegen, im Gegensatz von passivem Konsum. Wir sind wandlungsfähig. Unser Leben ist es auch. Unsere Natur kann sich erholen. Dies hat mir Entscheidungen zu tun, mit einer Wahl. Wie wollen wir leben, was wollen wir in uns hineinlassen (auf allen Ebenen), wohin geben wir unsere Energie und Lebenskraft? Wohin fliesst unsere Liebe? In was investieren wir unsere Lebenszeit?

Wir haben jeden neuen Tag viele Möglichkeiten zu wählen.

Für mich ist die Triage einfach geworden:

  • Natürlich, organisch, lebensfreundlich, verbunden? oder
  • Künstlich, verändert, lebensfeindlich, getrennt?

Lieber Herzmensch

Mit uns und unserem Leben in Frieden zu kommen, echt und kohärent zu werden, unsere Freude zu pflegen und dafür einen Ausdruck zu finden, dies ist das grösste Geschenk, das wir uns selbst machen können.

Und es ist der grösste Beitrag in das grosse Ganze hinein, mit dem wir alle verbunden sind.

Diese Zeit fordert unser Bestes und unser Kommittment.

Nicht mehr und nicht weniger.

Herzvoll,

Gabriela

© Gabriela Grob-Wespi

© Gabriela Grob-Wespi