

Über Heilungsprozesse und die innere Ordnung
Eine Hommage an unser Menschsein
Vielleicht haben wir die Vorstellung oder den Wunsch, dass Heilung darin besteht, dass etwas, was uns lange Zeit belastet und Energie von uns gebunden hat, uns verlässt, dass es weggeht, dass wir es einfach endlich hinter uns lassen können.
Gerne möchte ich hier meine Erfahrungen aus meinem Leben und aus der Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten teilen.
Wenn es sich um tiefe Einprägungen und um Lebensthemen handelt, dann geht es um Annehmen, um Bewusstwerdung, um Integration und Wandlung.
Energie geht nie verloren, doch sie kann aus blockierten Zuständen gelöst, gewandelt, rückverbunden und wieder in den Lebensstrom zurückgeführt werden.
Heilung kann schmerzhaft sein.
Ja, es kann enorm weh tun, wenn wir uns bewusst werden, wie lange wir an etwas festgehalten haben, das weit in die hintersten Winkel unseres Seins weggepackt war. Wieviel Kraft, Energie und Umwege es gebraucht hat, um nicht dorthin sehen zu müssen. Wie unglaublich geduldig unser Körper mit uns war, das Beste gegeben hat, um auszugleichen, um immer wieder nach einem Gleichgewicht zu suchen und die unzähligen Lebensprozesse in uns auch unter erschwerten Bedingungen tagtäglich am Laufen zu halten. Vielleicht hat unser Körper auch versucht, uns mit Symptomen, Zeichen, Druck, Unwohlsein und Schmerzen, manchmal auch durch Krankheiten, uns auf weit Weggepacktes, doch tief in uns Wirkendes hinzuweisen. Erst leise und später lauter.
Es kann schmerzvoll sein, wenn wir uns körperlich bewusst werden, wie weit und oft wir uns verlassen haben und wieviel vom eigenen Wesen, von der eigenen Lebendigkeit, in diesem abgetrennten Zustand miteingeschlossen war.
All dies kann eine Art von Trauer auslösen, nebst dem eigentlichen Schmerz, welcher vielleicht bis zu diesem Tag noch nie Zuwendung bekommen hat und zum ersten Mal richtig gefühlt wird.
Wir können durch äussere Umstände, die uns erschüttern oder durch Trigger, die etwas in uns aufbrechen, an eine alte Wunde erinnert werden, oder wir wenden uns in einer Prozessarbeit einem alten Schmerz ganz bewusst zu. Es ist wichtig, dafür einen sicheren Raum zu haben mit einem präsenten Menschen, der Achtsamkeit, Erfahrung und eine Atmosphäre des Vertrauens anbieten und uns ruhig und geerdet durch diese innere Arbeit begleiten kann.
Wenn wir die Geschichten und Dramen rund um das Thema aussenvorlassen und wir uns achtsam der Wunde nach diesem verborgenen Anteil in uns zuwenden, ihn in seinem Versteck finden, dann können wir ihm eine Stimme geben und die Sicherheit, dass wir diesmal da sein können, dass wir ihn sehen, fühlen und bleiben. Wir bleiben zugewandt, bis dieser Anteil, diese jüngere Version in uns bereit und sicher genug ist, sich an die Hand nehmen zu lassen, sich mit uns wieder zu verbinden und bei uns heimzukommen.
Es kann sehr wertvoll sein, einen liebevollen, präsenten Zeugen dafür zu haben, dass da etwas Schweres, für uns Grosses ist, das bis anhin weder gesehen noch anerkannt oder gewürdigt worden ist.
Es können leise, tief heilsame innere Bewegungen sein, mit grosser, manchmal lebensverändernden Wirkung. Als wäre ein Teil in uns wieder mit dem Hauptstrom rückverbunden worden. Gleichzeitig wird jene Kraft frei, die bisher dafür gebraucht wurde, um diese Umfahrungen zu machen und den Schmerz unten zu halten. Dies sind energetische Verschiebungen in uns, von fein bis erdrutschmässig, die unsere liebevolle Zuwendung uns selbst gegenüber benötigen.
Und ein Dranbleiben. Hier scheitert es am häufigsten.
Bevor wir weiter gehen
Wenn wir eine innere Ordnung wieder gefunden haben, nicht im Weghaben wollen dieser schmerzlichen Situation, sondern in der Hinwendung, dann erfahren wir eine Erweiterung, ein inneres Wachstum. Diese Entwicklung ist unser Geschenk daraus, es gehört uns und es möchte bewusst wahrgenommen und in unser Leben integriert werden.
Und hier, genau hier, können wir weitergehen, mit der verkörperten Erfahrung, dass das, was einst unterbrochen, blockiert oder abgespalten war, wieder in eine Bewegung und eine Rückverbindung geflossen ist.
Wir gehen weiter mit einer neuen inneren Ordnung.
Durchlässiger werden
Es ist möglich, dass wir auf mehreren Ebenen, tief, organisch, ganzheitlich und im Vertrauen solche Prozesse durchleben und mit der Zeit wahrnehmen, wie wir uns dabei näherkommen. Wir können uns zusehen, wie wir auftauen, beweglicher, durchlässiger, weicher werden und spüren, dass wir uns wieder mehr nach uns selbst anfühlen. Wir können erleben, wie Kraft zurückkommt, wie Lebendigkeit wieder einzieht, wie wir das Gefühl erhalten, ja, das bin ich, mit allem, was zu mir gehört.
Wir sehen im Spiegel, da schaut uns jemand an, die uns vertraut, vielleicht reifer geworden und nicht mehr so frisch wie auch schon😉ist, jedoch anwesend, lebendig, fühlbar. Und dies ist das grösste Geschenk, welches wir uns machen können: Unser Wesen freizuschaufeln und uns darin wiederzuerkennen.
Ich mache in diesen Monaten bei vielen Menschen wie auch bei mir selbst die Erfahrung, dass wir nochmals mit unseren tiefsten Themen in Kontakt kommen. Dass sie nochmals aufkreuzen, auch wenn wir geglaubt haben, wir hätten schon genug damit «gearbeitet». Wir haben sie vielleicht lange im Kopf gewälzt, uns vielschichtig damit befasst, viel verstanden und erkannt. Wir haben gemeint, genug darüber zu wissen.
Doch sie kommen nochmals, um von einer weiteren Ebene wahrgenommen zu werden, die auch abgeholt und involviert werden möchte. Ganz besonders: Gefühlt und im Körper geortet, denn der Körper hat diese Themen so lange getragen.
Auch kann es sein, dass uns ein alter Schmerz nochmals «streift», um zu realisieren: Heute kann ich mich damit halten in mir. Ich kann damit atmen und sein. Und ich spüre, wenn noch etwas Gestocktes im Körper ist, wie ich es durch das HerzAtmen wieder ins Fliessen bringen kann. Ich entdecke, wie mein innerer Raum weiter wird. Manchmal ist dies die Heilung.
Für unsere innere Ordnung ist es wichtig zu erkennen: Das war ein grosses Thema in meinem Leben und jetzt fühlt es sich ruhig an. Es hat keine Ladung mehr, es hat keine Macht mehr über mich. Ja, es gehört in mein Leben und Ja, es hat ganz viel eingenommen von mir. Es nimmt mir heute nicht mehr die Sicht und auch nicht die Kraft. Auch wenn hin und wieder Gefühle dazu in mir aufsteigen können, sie dürfen da sein und ich bin in Frieden damit.
Dann ist es gut.
Dies sind unglaublich wertvolle Erkenntnisse, die wir im Körper fühlen.
Das Geschenk ganz auspacken
Tiefe Themen können sich auch nochmals zeigen, um uns unser Wachstum bewusst zu machen, um uns nochmals innehalten und wissen zu lassen, wer wir genau dadurch geworden sind. Was wir durch diese Herausforderungen geschaffen haben, wo wir wachsen und uns erweitern konnten, was daraus in uns und unserem Leben entstehen durfte.
Vielleicht können wir viel authentischer für uns einstehen, vielleicht sind wir empathischer geworden, ohne uns zu verlieren. Oder unser geheiltes Herz vermag Räume zu halten, Brücken zu bauen und Welten zu verbinden.
Es kann sein, dass wir genau durch diese tiefe Erfahrung zu unserer Bestimmung gefunden haben. Die tiefsten, die allertiefsten Themen in unserem Leben, haben immer mit unserer Bestimmung zu tun. Sie sind direkt mit unserer Seele verbunden. Sie ermöglichen, dass wir etwas Bestimmtes lernen können, in einem spezifischen Bereich weiterwachsen und Erfahrungen machen, die uns selbst zur eigenen Medizin, zur Gabe und zum Geschenk werden können.
Wenn das, was einmal für uns der grösste Schmerz und die grösste Herausforderung bedeutet hat, unser grösstes Potenzial auf den Weg bringt, dann sind wir dort, wo wir zu Alchimisten werden und unser Gold wie einen Schatz aus der Tiefe heben.
Diese Meisterprüfung, die wir geleistet haben, die uns nicht mehr genommen werden kann, kann uns erfüllen von innen nach aussen. Damit können wir weitergehen. Hier haben wir etwas zu geben, aus einem vollen Gefäss. Etwas Verinnerlichtes, etwas Verkörpertes, die Erfahrung unserer ganz persönlichen Reise.
Druck und Enge
Viele Menschen stehen in diesen Monaten an diesem Punkt oder kurz davor. Viele haben gerade in diesem Sommer das Gefühl: Ich kann nicht mehr, ich will so nicht weiter. Dieses elende Chaos, dieser Lärm, dieses abgrundtiefe weltweite Leid, diese Degeneration und Verwüstung…, es fühlt sich alles sinnlos, freudlos an und wird zu viel…
Ich möchte dir zurufen, lieber Herzmensch: «Halte noch etwas durch. Gehe durch dieses Nadelöhr, gehe durch diesen Geburtsprozess, durch dieses Engnis und vertraue diesem Prozess, bis du wirklich nach einer langen dunklen Nacht das Morgenlicht erblickst. Halte dich bei dir, bis du nach einem langen inneren Reifen dich aus deinem Kokon erhebst.»
Wir erleben die dichtesten Zeiten, in unserem persönlichen Leben genauso wie in der äusseren Welt. Dieser allesumfassende Wandlungsprozess, den wir in diesen Jahren miterleben, ist ausserordentlich, ausserhalb von jeglicher Ordnung. In meiner Wahrnehmung befinden wir uns in der Mitte der Übergangsjahre aus alten Zeitzyklen in etwas Neues hinein.
Das Leben ist bei grossen Dingen gründlich. Und jetzt räumen wir gründlich auf. Das heisst, wir kommen auf unseren Grund. Und genau auf diesem Grund, auf dem tiefsten Punkt, haben wir vielleicht nach langer Orientierungslosigkeit, nach langer Suche nach Halt, Sinn, Heimat oder dem Wiederfingen unserer Wurzeln, die Möglichkeit, uns hier in unserer Tiefe einzusammeln, auszuruhen und eines Tages, einem inneren Impuls folgend, uns Wirbel für Wirbel wieder aufzurichten, uns wie ein Farn aus seinem Nest neu auszurollen. Dem Licht entgegen.
Mit liebevollen Augen schauen
Es ist so viel Gutes da, was es wertzuschätzen gibt und so viel Schönheit, die uns erfüllt und nährt, auch dann, wenn die Tage schwerer sind. Inzwischen feiere und bedanke ich mich in so vielen Momenten, die einfach schlicht, schön und friedvoll sind. Mein Mann und ich sind richtig gut darin geworden, diese kleinen Momente gross zu machen.
Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ein Strahlen ist in der Natur und so viel Berührtheit ist bei mir. Diese Monate haben mich auf eine stille Weise gefordert, gründlich, ehrlich und wahrhaftig mit mir zu sein, die noch viel tiefer ging. Nicht alles, was ich dabei in mir wahrgenommen habe, war einfach und schön. Ich habe noch viel umfassender erfahren, was gelebte Selbstannahme und Selbstliebe beinhalten. Es bedeutet für mich: Unerschrocken, offen und mutig die Liebe in die hintersten Ecken und dunkelsten Winkel meines Seins zu bringen. Dabei durfte ich auch die Erfahrung machen, dass dunkle Ecken nicht schlecht sein müssen oder schwer – es haben ganz einfach das Licht und liebevolle Zuwendung gefehlt.
Es fühlt sich an, als ob in mir mehr Raum und um mich eine Weite entstanden sind, als sei noch die eine und andere Blase geplatzt, als hätte sich noch ein Schleier gelüftet.
Entfaltung und Entwicklung gehen weiter – und es darf so sein. Auch das ist befreiend, nämlich: Damit einverstanden zu sein, dass wir weder perfekt noch fertig mit unseren Themen sein müssen, dass wir nicht alles meistern können, so wie wir es uns wünschen. Es ist zutiefst heilsam die noch schmerzenden Anteile unserem Herzen zu überlassen und darauf zu vertrauen, dass sie dort gut aufgehoben sind und dann in ihre Ordnung finden werden, wenn wir und das Leben bereit dazu sind.
Es macht uns frei, zu wissen, dass wir GANZ sind, auch im Unfertigen, im Unerlösten. Hier können wir aus unserem Herzen tief ausatmen, um diese Botschaft in jede unserer Zellen zu bringen.
Uns selbst gegenüber liebevoll, grosszügig und empathisch den Raum zu halten oder jemanden darum bitten zu können, ist das Heilsamste überhaupt.
Daraus ergibt sich, dass unser Blick auch in unsere Umgebung liebevoller und verständnisvoller wird.
Lieber Herzmensch,
Ich wünsche uns allen einen inneren Ort, eine Oase, wo wir uns ausruhen, sicher, geborgen und immer mehr in Frieden fühlen können und dadurch unabhängiger werden, was im Aussen ist. Unser Herz ist dafür da.
Mein Angebot in persönlicher Begleitung besteht darin, dich dort abzuholen, wo du dich gerade befindest, auch wenn du nicht genau weisst, wo das ist. Wir werden herausschälen, was du brauchst, um wieder die Verbindung zu spüren, dich mit dir wieder wohl, lebendig und heimisch zu fühlen, in dir und in DEINEM Leben.
Nicht, um weiter funktionieren und dauernd über deine Grenzen hinaus zu gehen, auch nicht, um etwas weiterhin aufrecht erhalten zu müssen, was du nicht bist und das dich nicht erfüllt. Jedoch, um wieder ganz bei dir anzukommen, dir zu erlauben, dass es so, wie es gerade ist, sein darf. Um von hier aus weiterzugehen. In deinem Rhythmus. Aus deinem Sein heraus.
Dafür bin ich da.
Herzlich verbunden,
Gabriela
© Gabriela Grob-Wespi
© Gabriela Grob-Wespi